"Wer bereits als Kind die Welt zwischen den Zeilen für sich entdeckt, geht auch später gern als Abenteurer durchs Leben." {Creativity First}

Dienstag, 27. September 2016

[Rezension] Schlamm, Schweiß und Tränen (Bear Grylls)

Bear Grylls: Schlamm, Schweiß und Tränen

Wann immer ich Bear Grylls im Fernsehen entdecke, steckt er wieder einmal kopfüber in einer abenteuerlichen, grotesken bzw. riskant bis waghalsigen Situation. Keine Frage, für Gesprächsstoff sorgt er mit seiner MacGyver-trifft-Mogli-Manier.

Als mir vor einiger Zeit, eher zufällig, seine Autobiografie in die Hände fiel, überlegte ich nicht zweimal. Ich hatte ein recht positives Gefühl. Doch dass ich beim Lesen dann immer wieder dachte "Mensch, wie verrückt, aber supersympathisch!", hätte ich wohl kaum vermutet.


~ Rezension ~

Das Leben ist das Abenteuer, das wir daraus machen.

Der Brite Bear Grylls gehört heute zu den angesehensten Abenteurern und Überlebensexperten unserer Generation. Expeditionen in die entlegensten, extremsten und spannendsten Regionen der Erde sind zu seinem Markenzeichen geworden. Das erfolgreiche TV-Format "Ausgesetzt in der Wildnis" machte den ehemaligen Elitesoldaten der britischen Armee rund um den Globus bekannt. In seiner Autobiografie erzählt der bodenständige Überlebenskünstler nun, welche Menschen, Lebensphasen und Wendepunkte ihn zu der Person haben werden lassen, die er ist: ein dankbarer, überdurchschnittlich abenteuerlich veranlagter und das Leben schätzender Naturliebhaber, Ehemann und Vater.

Mit seiner Autobiografie, Schlamm, Schweiß und Tränen, gewährt Bear Grylls aufrichtig ansteckende Einblicke in sein Leben, das ihn ebenso in Höhen katapultiert wie vor Abstürzen nicht verschont  und das in jeder tatsächlich erdenklichen Hinsicht.

Schon als Knirps zeichneten Bear, wie er seit seiner Geburt erst von seiner großen Schwester, später von so ziemlich jedem genannt wird, durch eine Vorliebe fürs Klettern, Kraxeln und Klotzen aus. Was seiner Mutter eher ein Dorn im Auge war, begeisterte seinen Vater umso mehr. Lebenshungrig, diszipliniert und willensstark geht Bear fortan seinen Weg. Was für nahezu jeden Außenstehenden vielmehr nach nicht enden wollender Strapaze oder blankem Irrsinn anmutet, wird für Bear Grylls zu einem Katalysator, der ihn stets aufs Neue motiviert.

Die Liste an Unglaublichkeiten, die den Werdegang des Autors pflastern ist lang: Die knallharte Ausbildung beim Special Air Service (SAS), ein Fallschirmabsturz, bei dem er um Haaresbreite mit dem Leben davonkommt, und die Besteigung des Mount Everest im Alter von 23 Jahren sind nur einige der beschriebenen Meilensteine.

Neben all den fulminanten bis regelrecht unfassbar klingenden Episoden, die Bear Grylls inhaltlich schildert, wird mir vor allem die enorm sympathische, geerdete Art und Weise in Erinnerung bleiben, mit welcher der Autor sein bisheriges Leben reflektiert. Dabei wird deutlich, dass Bear Grylls mehr ist als ein scheinbar furchtloser Abenteurer. Immer wieder betont er, wie weit ihn die Liebe seiner Familie, die Loyalität seiner Freunde, der Glaube an Gott und ein stets wachsamer Schutzengel gebracht haben. Oft genug hat er mit sich gehadert. Aber nicht weniger oft haben ihm auch Wagemut, Entschlossenheit und Erfindungsreichtum neue Türen geöffnet. 

Besonders großen Stellenwert nehmen in Bear Grylls' Schilderungen seine Ausbildung zum SAS-Elitesoldaten, die ihm schier Übermenschliches abverlangte, und die Expedition zum Gipfel des höchsten Berges der Erde ein. Der Titel der Biografie passt daher ziemlich genau. Doch Bear Grylls ist nicht nur harter Kerl, sondern gleichermaßen engagierter Familienmensch, Teilzeitromantiker und Philanthrop.

Wohin auch immer deine Reise führen mag, widme dich ihr mit Leidenschaft, Demut und Respekt. Etwa so klingt die Botschaft, welche Bear Grylls in seiner gut 470 Seiten starken Autobiografie an die Leser, Fans (und vielleicht auch Skeptiker) dieser Welt heranträgt. Sehr lesenswert!  

FZIT: Beeindruckend. Ermutigend. Zielstrebig.


Dienstag, 20. September 2016

[Rezension] {♫♫} The Woman I Am (Kellie Pickler)

Kellie Pickler: The Woman I Am 

Zugegeben, in Deutschland ist Musik, die angehaucht oder gar geprägt von Countryschmiss ist, nicht unbedingt massenkompatibel. Eine Tatsache, die Nashville, die Wiege der Countrymusik, manchmal noch ein kleines Stückchen weiter in die Ferne rücken lässt ...

Wie gut, dass die musikalischen Werke von Künstlern wie Kellie Pickler nun dennoch nicht "aus der Welt" sind. Seit geraumer Zeit läuft bei mir in guter Regelmäßigkeit eben auch ein komplettes Album der Singer-Songwriterin rauf und runter. Und das gebe ich aus Überzeugung nicht mehr her. (It's a Little Bit Gypsy, and Buzzin' too.)


~ Rezension ~

Charisma à la Country

Vom gebrochenen Herzen, dem selbstbewusst und trinkfest getrotzt wird, über die Hommage an die resolute Urgroßmutter, Selma Drye, bis hin zu Liebeserklärungen für die Ewigkeit reicht das Repertoire, mit dem Kellie Pickler auf ihrem aktuellen Album glänzt. Damit bleibt sie nicht nur dem Genre der Countrymusik, sondern vor allem sich selbst treu. Denn sowohl die Texte als auch deren Interpretationen stecken voller Pickler'scher Persönlichkeit, die eben genauso übermütig wie nachdenklich und gleichermaßen witzig wie reflektiert ist.

Mit ihrem vierten Album The Woman I Am unterstreicht Kellie Pickler ihre Klasse als unverfälschte Countrystimme, die ihre Fans zu begeistern weiß.

Kellie Pickler ist eine Künstlerin, die Authentizität ausstrahlt. Countrymusik ist ihr Genre und das stellt sie mit diesem abwechslungsreichen Album unmissverständlich unter Beweis. Mal ausgelassen flippig, mal introvertiert und verletzlich zeigt sich die Sängerin. Eine Bandbreite, die sowohl künstlerisch als auch emotional überzeugt.

Unüberhörbar ist, dass Kellie Picklers Stimme wie die Faust aufs Auge zu ausgefeilten Countryklängen, die Explosivität und Bedächtigkeit vereinen, passt. Zweifellos markant. Ob freche kraftvolle Uptempo-Nummer oder weiche melancholische Ballade der ehemaligen American Idol Teilnehmerin steht alles hervorragend zu Gesicht. Erfrischend sympathisch und das mag ich. Sehr.

Gemeinsam mit ihrem Ehemann, Kyle Jacobs, schrieb die Sängerin The Woman I am und Bonnie And Clyde. Zwei Lieder, die stellvertretend für die Vielfalt und Präsenz Kellie Picklers stehen. Denn neben Verspieltheit und Überschwang, zählen gleichsam das Verarbeiten von Enttäuschung und heilende Wunden zum Ich der Künstlerin. Und genau das bringt sie zum Ausdruck.

Keine Frage, das Album greift verstärkt den klassischen Grundtenor handgemachter Countrymusik auf. Unverkennbar. Und ebenjenes Gefühl ist es, was Kellie Pickler liebt und lebt und daher auch an ihre Fans weitergeben möchte. Eine Intention, die gelingt. Gleichzeitig fügt sie den zwölf Tracks zeitlos modernes Flair und, was noch viel bedeutsamer ist, Herz und Seele bei. 

In der Summe ein rundum gelungenes, dynamisches Musikalbum, das zum einen dem Image der Countryklänge im besten Nashville-Stil gerecht wird; und das zum anderen Kellie Pickler ungekünstelt porträtiert. Absolut empfehlenswert für Fans dieses Genres. Eine Zugabe muss unbedingt her!

FZIT: Elanvoll. Kernig. Echt. 


Dienstag, 13. September 2016

[Rezension] Zwei Namen im Schnee (Rolf Kühne)

Rolf Kühne: Zwei Namen im Schnee 

Dass ein klein wenig Poesie andere Blickwinkel erlaubt und neue Türen öffnet, dessen sollten wir uns (viel öfter) bewusst sein. Denn gelegentlich bedarf es nicht der ganz großen Worte und ausschweifenden Ausführungen, um ganzheitlich anzusprechen...

Vielen Dank, Rolf Kühne, für das mir zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar!

Cover: Persimplex


~ Rezension ~

Lyrik zwischen dem Gestern und dem Morgen

Das Leben mit all seinen Facetten, seinem Feinschliff und seinen "Fehlern" ist ein Potpourri an Momenten und Erinnerungen, die uns prägen. Dabei verschränken Dankbarkeit und Wertschätzung ihre Finger mit Beklommenheit und Ernüchterung. Ein reizvolles Allerlei, das es sich allemal lohnt in einen Rahmen aus Poesie zu fassen. Gesagt, getan!

Bei Zwei Namen im Schnee handelt es sich um das Debüt von Rolf Kühne, in dem Freunde einer gleichermaßen erfrischenden wie zugänglichen Alltagslyrik sich mit hoher Wahrscheinlichkeit sehr gut wiederfinden werden.

In seiner Gedichtsammlung reiht der Autor mit Bedacht und dennoch augenscheinlich mühelos bildreiche Momentaufnahmen, Beobachtungen und Empfindungen aneinander. Die Balance aus Tiefgang und Leichtfüßigkeit sticht hierbei hervor. Denn obgleich nicht an jedem Leser selbst ein Poet verlorengegangen sein mag, so entsteht beim Eintauchen in die Gedichte eine gewisse Vertrautheit, die hie und da bestimmt Parallelen zu eigenen Erfahrungen und Aha-Erlebnissen kreiert.

Für mich strahlt dieses Buch trotz seines speziellen Genres eine "Alltagstauglichkeit" aus, die sympathisch ist. Das Ping-Pong-Spiel zwischen eindeutiger Bildsprache und der zwischen den Zeilen gelegenen Bedeutung sorgt für willkommene Gedankenanstöße. Diese werden losgelöst von festen Metren oder Reimformen gegeben. Auf diese Weise spiegelt sich die prägnante Freiheitsliebe des Autors auch hier wider.

Summa summarum sollten Leser, deren Herz für kurzweilige Gegenwartslyrik schlägt, diesem Erstlingswerk ihre Beachtung schenken.

FZIT: Mannigfach. Teilnahmsvoll. Modern. 


Dienstag, 6. September 2016

[Rezension] Zweimal mitten ins Herz (Sarah Saxx)

Sarah Saxx: Zweimal mitten ins Herz 

Wer will noch einmal? Wer hat noch nicht? Wenn Sarah Saxx auf den Rummelplatz der auf den Kopf gestellten Gefühlswelten nach Greenwater Hill einlädt, bleibt eine gewisse Sogwirkung nicht aus.

Aber würde es ihr nur zwei Monate nach Erscheinen des zweiten Romans der Reihe tatsächlich sofort erneut gelingen, frische Tragweite zu schaffen? Oder würde der neue Roman vielmehr wie ein Déjà-vu erscheinen?

Diese Fragen durfte ich für mich während des Lesens des freundlich zur Verfügung gestellten Rezensionsexemplars beantworten...

Cover: Sarah Saxx


~ Rezension ~

Entzwei gebrochen 

Wie in alles in der Welt konnte Luca ihr das antun? Hazel ist entsetzt, als ihr die Liebe ihres Lebens die Nacht mit der Fremden aus der Bar gesteht. In all ihrer Wut und Verzweiflung trifft Hazel kurz entschlossen die Entscheidung, ihr Leben und ihre Liebe in ihrer Heimat hinter sich zu lassen und in Greenwater Hill einen Neuanfang zu wagen. Es dauert auch gar nicht lange, da freundet sich Hazel mit Dean, dem charismatischen Officer, an. Oder fühlt sich das Ganze mehr an als bloße Freundschaft? Hin- und hergerissen zwischen den Gefühlen der Vergangenheit und der Gegenwart muss Hazel sich über ihre Zukunft klar werden. An wessen Seite möchte sie diese verbringen?

In Zweimal mitten ins Herz von Sarah Saxx wird das beschauliche Greenwater Hill ordentlich aufgerüttelt. Denn die Autorin wartet mit einer mehrschichtigen Herzschmerzgeschichte auf, die Fans des Genres festzuhalten vermag. 

Willkommen daheim! In der nunmehr dritten Greenwater Hill Love Story muten Grundtenor, Kulisse und Stilistik des Romans wohlig vertraut an. Denn Sarah Saxx setzt auf Elemente, die sich bewähren: verletzte Gefühle, verheißungsvolles Prickeln, verbundene Schicksale. Allerdings wird dieser emotionale Balanceakt des Verlierens, Suchens und Findens in diesem Roman nicht nur zu zweit, sondern zu dritt ausgeführt. Denn um das Herz von Protagonistin Hazel gibt es ein Tauziehen zwischen Luca und Dean. Der eine war Hazels Fels in der Brandung. Der andere ist ihr Anker im gegenwärtigen Sturm.

Aufgrund des kreierten Spannungsdreiecks wird einer möglichen Vorhersehbarkeit des Handlungsverlaufs eine Variable beigefügt, die knisternde Impulse setzt. Während des Lesens ist das innere Ringen Hazels auf mich übergesprungen — eine Echtheit, welche der Geschichte spürbar an Dimension verleiht.

Besonderen Schwung nimmt die Handlung übrigens durch den bereits in den ersten Zeilen gesetzten Akzent auf. Ohne Umschweife lässt Sarah Saxx ihre Leser die Unwucht des Karussells erleben, auf dem Hazel ihre Kreise dreht. Ein unumwundener Einstieg, der auch nach den 240 Seiten, nach denen sich der Kreis vielleicht oder vielleicht auch nicht schließt, in Erinnerung bleibt.

Gekonnt kribbelnd schreibt Sarah Saxx Hazel, Luca und Dean eine Geschichte auf den Leib, die Funken sprühen lässt. Eine "Fortsetzung" der Reihe, deren Gewissensbisse, Rage und Euphorie sich hübsch in die Kette der Greewater Hill Porträts einreihen.

FZIT: Zerrissen. Kämpferisch. Impulsiv.


Dienstag, 30. August 2016

[Rezension] Weil du bei mir bist (Anna McPartlin)

Anna McPartlin: Weil du bei mir bist 

Da es mir Geschichten, in denen tragische Schicksale eine bedeutsame Rolle spielen, von Haus aus angetan haben, blieb ich vor einiger Zeit an diesem Buch von der Irin Anna McPartlin hängen.

Mittlerweile wurde es sogar in einer neuen Auflage vom Rowohlt Verlag herausgebracht und berührt Leser weltweit. Da war es doch nur allzu selbstverständlich, dass ich mich von der Wirkung dieses Romans nun endlich selbst einmal überzeugen musste ...


~ Rezension ~

Erkenne die Kostbarkeit des Lebens!

Emma und John sind glücklich miteinander. Sie kennen sich eine Ewigkeit und vertrauen sich blind. Eines Abends führt jedoch eine einzige kleine Entscheidung dazu, dass das Schicksal der beiden eine abrupte und endgültige Wendung erfährt: John kommt bei einem Unfall plötzlich ums Leben. Emma bleibt am Boden zerstört zurück. Wie in Trance gleitet sie fortan von Tag zu Tag, von Woche zu Woche, von Monat zu Monat. Ihre Familie und Freunde sind besorgt: Wann wird Emma erkennen, dass John nicht gewollt hätte, dass all der Schmerz und Kummer ihr Leben bestimmen?

Weil du bei mir bist aus der Feder Anna McPartlins erzählt die Geschichte einer verlorenen Liebe, die dennoch dazu im Stande ist, Kraft, Lebensmut und Entschlossenheit zu spenden.

Trauer und Sehnsucht, Erinnerungen an eine unbeschwerte Zeit und Träume von einst verbinden Emma und ihre Freunde in der neuen Zeitrechnung nach Johns tragischem Tod. Trotz innerer Zerrissenheit geben sie sich einen Halt, der kostbarer kaum sein könnte. Das Band, welches Anna McPartlin flicht, um ihre Charaktere das Leben in all seinen Facetten erfahren zu lassen, ist gekennzeichnet von Wertschätzung. Zugleich werden feine Unsicherheiten zu maßgeblichen Wegweisern. Eine Kombination, die maßgeblich für den Fortlauf des Romans ist.

Als besonders markant stellt sich für mich Botschaft der Autorin an ihre Leser heraus: Der Weg durch ein Tal der Tränen, das endlos erscheint, wird dank Familie und Freunden vielleicht nicht weniger lang, aber weniger schwer. Damit schenkt Anna McPartlin auf einfühlsame Weise einen Optimismus, der einem Leuchtfeuer gleicht. Wer einen geliebten Menschen verliert, wird von einer Sturmflut an Emotionen mitgerissen. Doch solange wir uns in jenen Fluten nicht selbst verlieren, wird es gelingen, uns wieder aufzurichten. Eine Amplitude, die Anna McPartlin gekonnt ausgestaltet.

Eine Handvoll Überraschungsmomente mischen sich in diesem Roman unter eine gewisse Vorhersehbarkeit. Den einzelnen Lebenswegen der Figuren wird ein jeweiliger Wert beigemessen, der zu einem runden Gesamtpaket aus Tragik und Hoffungsgebendem führt. Je mehr die Seitenzahl vorangeschritten ist, umso größeren Zugang habe ich zu Emma und ihren Freunden gefunden. Gut Ding braucht eine kleine Weile. Einzig die emotionalen Wirkungsgefüge und einzelnen Sequenzen hätten, was mein persönliches Empfinden betrifft, ein wenig verweilender (und weniger in Alkohol getränkt) ausgestaltet sein können, um noch nachdrücklichere Wirkung zu entfalten.

In der Summe ein lesenswerter Roman, der die Dankbarkeit gegenüber dem Sein in einen leuchtenden Fokus stellt. Ein Grundtenor, dessen Signifikanz fernab jeglicher Fiktion nachhallen sollte.
 
FZIT: Loyal. Resümierend. Vorausblickend. 


Dienstag, 23. August 2016

[Schreibzeugkiste] Das Roulette der Argumentation

Das Kaleidoskop des Möglichen


Dass wir Leser unsere Empfindungen und Eindrücke zu Büchern, die uns von A bis Z begeistert haben, die uns zum Nachdenken animiert oder zum Staunen gebracht haben, miteinander und auf (öffentlich zugänglichen) Plattformen teilen, darin bestärken uns Autoren und Verlage gleichermaßen. Denn diese unmittelbare und persönliche Resonanz ist den "Machern" hinter den Büchern eine Herzensangelegenheit und zugleich ein nicht zu unterschätzendes Stimmungsbarometer. Auch konstruktive Kritik ist willkommen, denn sie kann als Katalysator sehr wirksam sein. Niemand ist schließlich perfekt. Und wird dies, das sei allen Erbsenzählern versprochen, im Übrigen auch beim nächsten Buch nicht sein. 

Es wird also immer wieder Bücher geben, die a) wie für mich geschrieben scheinen oder b) dann doch meine "Erwartungen und Ansprüche" um Galaxien verfehlen. Keine große ÜberraschungSollte man denken! Schließlich sind die Geschmäcker so vielfältig wie die Buchrücken in einer Bibliothek. Und der Autor hat seinem Werk eines der zahlreichen möglichen Outfits übergestreift. Denn wie betonte bereits Edward de Bono? "Wenn wir uns für eine Sache entscheiden, entscheiden wir uns gegen 99 andere Möglichkeiten."

Gut, okay, wenn die Autorin eben meint, dass ein Picknick im Central Park das romantischste Date überhaupt sei, bitte! Finde ich zwar nicht...

Seit wann soll es denn cool sein, heute noch wie Gene Kelly zu tanzen? Pfff, mal ehrlich, in welchem Jahrhundert lebt der denn! Ich mag Hip-Hop tanzende Bad Boys viel lieber...

In Ordnung, solche subjektiven Wahrnehmungen mögen gegebenenfalls die Wohlfühlkuscheldecke, in die wir uns als Leser gerade eingehüllt haben ein wenig lüften, aber das macht die Arbeit des Autoren doch nicht wirklich erwähnenswert schlechter oder schmälert sein in Worte verpacktes Herzblut?!

Zähneknirschende Zurückhaltung vs. diplomatische Offensive


Allerdings gibt es dann (bloggende) Leser, die ohne Punkt und Komma nicht nur ihre eigene Meinung kundtun, sondern interpretieren, was das Zeug hält. Nun wissen wir aus Zeiten des guten alten Deutschunterrichts bereits, dass es bei Interpretationen einen gewissen Spielraum gibt und die Frage "Was hat sich der Autor denn hierbei gedacht?!" durchaus nur vermutend zu analysieren ist. Ich selbst mag diesen Freiraum, dieses Eventuelle. Bin mir jedoch absolut bewusst, dass ich im Zuge von Rezensionen nur meinen eigenen Eindruck, nicht aber zwangsläufig den des Autors vertrete. Andere sich als Literaturkritiker berufen fühlende Leser halten wenig von dieser Eingrenzung und es wird darüber hinaus eifrig gemutmaßt, interpretiert und bisweilen unterstellt.

Aber wie gehen Autoren eigentlich mit den "Ausreißern nach unten", sprich mit Buchbesprechungen, die wenig(er) charmant formuliert und zielsicher die offensichtlichen inhaltlichen Aussagen verfehlen, um? Damit ist nicht etwa eine Begründung zur Haarfarbe des Protagonisten oder zum gewählten Ende der Geschichte gemeint. Denn das ist, wie bereits erwähnt, eine persönliche Einzelfallentscheidung des Schreibenden, die gefallen kann, aber nicht muss.
Es geht vielmehr um grundlegende Aspekte wie Botschaften des Buches, die komplett missverstanden werden, rückhaltlose Behauptungen oder groteske Mutmaßungen, welche die Integrität des Verfassers ernsthaft ankratzen. Sollen Autoren (nach außen hin) ungerührt zur Kenntnis nehmen oder das klärende Gespräch suchen?

Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass sich ein Autor nicht für seine Zeilen rechtfertigen muss. Dem einen ge-, dem nächsten missfallen sie. Sobald es allerdings um grobe Interpretationsschnitzer geht, die das Fundament des gesamten Werkes ins Wanken bringen, hat eine entsprechende Reaktion des Autors für mich nichts mit mangelnder Kritikfähigkeit oder besonderer Dünnhäutigkeit zu tun. Es geht schlichtweg darum, Unwahrheiten aus dem Buchregal zu räumen. Denn, in diesem Punkt sollten wir uns alle einig sein, niemand hat es wohl gern, wenn über ihn fahrlässig Räuberpistolen verbreitet werden. Inwiefern der (be-)richtende Leser diese Handreichung des Autors annimmt, bleibt letztlich dessen eigenem (Un-)Vermögen überlassen. 

Eines bleibt resümierend allerdings festzuhalten: Autoren und Leser sollten sich stets gleichermaßen offen gegenüber Meinungsäußerungen des jeweils anderen zeigen. Argumentationsketten, die das Für und Wider, das Gerade-so-weil und So-auf-gar-keinen-Fall beleuchten sind Bausteine, die eine Kommunikation rund um das Verständnis eines Buches facettenreich auflockern. Solche Gespräche können eine echte Bereicherung sein und sind obendrein nur fair


... inspiriert durch Jeden Freytag und Popescu.


Dienstag, 16. August 2016

Big Friendly Goodie

Der britische Schriftsteller Roald Dahl, darin besteht wohl kaum ein Zweifel, hat mit seinen Werken Generationen von Kindern und Erwachsenen in seinen Bann gezogen — tut dies noch immer. In diesem Jahr wäre der kreative Kopf hinter Geschichten wie Das riesengroßen Krokodil und Matilda 100 Jahre alt geworden. 

Außerdem erobert in diesem Sommer auch der Big Friendly Giant die Kinoleinwände hierzulande und sorgt somit fürs Aufleben alter und fürs Sammeln neuer Erinnerungen. 

Zu diesem fantasievollen Anlass verloste die liebe Lena vom großartigen myBookBlog drei kleine Fanpakete rund um die modern, rasant und eloquent in Szene gesetzte Kinderbuchverfilmung. 

Was glaubt ihr wohl, wie überrascht ich war, als mich Lenas E-Mail mit (m)einer Gewinnbenachrichtigung erreichte??? Ein HERZLICHES DANKESCHÖN für diese tolle Möglichkeit, weitere Träume zu sammeln.


Big Friendly Giant 

(Offizieller Kinotrailer)



P.S.: Verpasst nicht den Roald Dahl Tag am 13. Septemer 2016. Denn anlässlich seines 100. Geburtstags wird weltweit sein Schaffen gefeiert. Welch perfekter Grund, um tief in den Scholokadenbrunnen einzutauchen, meint ihr nicht?